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Herbstauktionen 2018

 

1470 und 1972 … etwa 500 Jahre liegen zwischen einem kolorierten anonymen Schrotschnitt, der die Beweinung unter dem Kreuz darstellt, und Konrad Klaphecks Radierung  „Die Selbstsichere“, die in drei verschiedenen Druckzuständen einen Wasserhahn zeigt. Sie bilden den Rahmen einer Sammlung, die feinste und erlesenste Höhepunkte der europäischen Druckgraphik enthält.
Über einen Zeitraum von etwa 25 Jahren (1970 bis 1995) wurden von unserem Sammlerpaar kontinuierlich und beharrlich  mit Kennerschaft und Feingefühl aus allen Epochen exemplarisch die größten Raritäten der Graphik zusammengetragen.
Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf Druckqualität und Seltenheit gelegt. So lassen sich in der Sammlung zahlreiche frühe Probedrucke finden, vielfach mit Unikatcharakter - einige davon mit namentlicher Nennung in den Werkverzeichnissen - und hervorragender Provenienz.Aus einer über Jahrzehnte mit Kennerschaft zusammengetragenen Privatsammlung werden am 21. September in einer Abendauktion 88 Meisterwerke der Druckgraphik aus fünf Jahrhunderten angeboten.

Ein hervorragender Abdruck von Martin Schongauers Kupferstich ‚Die Dornenkrönung‘ (um 1480) ist das früheste namhafte Werk dieser Sammlung (Taxe 15.000 €). Um 1647 entstand von Rembrandt die Radierung ‚Der Arzt Ephraim Bonus‘.  Das jetzt bei Venator & Hanstein angebotene Exemplar besticht durch seine Frische und Unberührtheit. Der prachtvolle Abdruck, einer der wenigen erhaltenen Frühdrucke, besitzt noch den völlig unbeschnittenen Unterrand und befand sich früher unter anderem in der Sammlung des Königs Ferdinand von Portugal (Taxe 60.000 €).
Nur fünf Abzüge der Aquatinta- und Kaltnadelradierung ‚Les deux danseuses‘ von Edgar Degas (um 1875) führt Delteil in seinem Verzeichnis auf. Die feinkörnige Aquatintatechnik lässt nur wenige Abzüge zu, die alle den Charakter von Monotypien aufweisen. Das angebotene Exemplar aus den Sammlungen Lerolle und David-Weill  ist mit 25.000 € geschätzt.
Höhepunkt jeder Auktion sind graphische Arbeiten von Edvard Munch. Um 1894 entstand seine Kaltnadelradierung ‚Mädchen am Fenster‘. Das von Munch signierte und bezeichnete Exemplar  „2 Tryck“ ist das einzig bekannte Exemplar und vermutlich ein Unikat.  Das Blatt kommt jetzt bei Venator & Hanstein mit einem Schätzpreis von 45.000 € zum Ausruf.
Von Käthe Kollwitz kann unter anderem eine mehrfarbige Lithographie aus dem Jahr 1903 ‚Brustbild einer Arbeiterfrau mit blauem Tuch‘ angeboten werden. Das auf festem Japan gedruckte Exemplar des ersten oder zweiten Druckzustandes ist in dieser Form nur in wenigen Exemplaren überliefert (Taxe 30.000 €).
Ein Unikat stellt Lyonel Feiningers um 1910/11 entstandene Radierung „The workmen“ dar. Im Werkverzeichnis von Prasse ist nur der vorliegende Probedruck, einst im Solomon R. Guggenheim Museum New York befindlich, verzeichnet (Taxe 25.000,- €).
Eine der bedeutenden lithographischen Arbeiten aus Max Beckmanns Frühzeit ist seine Darstellung aus dem Hamburger Rotlichtviertel „Ulrikusstraße in Hamburg“ aus dem Jahr 1912. Das mit 50.000,- € geschätzte Blatt  liegt hier im ersten von zwei Probedruckzuständen vor, von dem nur ein weiteres Exemplar bekannt ist.
Weitere Meisterwerke der Sammlung stammen z.B. von Albrecht Dürer, Lucas van Leyden, Jacob Ruisdael, Canaletto, Francisco de Goya, Adolph von Menzel, James Abbott McNeill Whistler, Ernst Ludwig Kirchner oder Karl Schmidt-Rottluff.

Einen Höhepunkt der Hauptauktionen am 21. und 22. September bildet das umfangreichste und bedeutendste Fischbuch aus alter Zeit: In den Jahren 1785 bis 1797 erschien in Berlin die zwölfteilige ‚Ichthyologie‘ von M. E. Bloch. Diese allgemeine Naturgeschichte der Fische besticht durch die detailgenaue Illustrierung in 432 kolorierten Kupferstichen. Das jetzt angebotene breitrandige Exemplar, in sechs rote Maroquinbände im Folioformat gebunden, stammt aus einer kleinen Sammlung von Fischbüchern die aus Privatbesitz eingeliefert wurden (Taxe 60.000 €).
Weitere kostbare Seltenheiten der naturwissenschaftlichen Buchillustration sind drei Bänden aus der Großfolio-Ausgabe von Buffons ‚Histoire naturelle des oiseaux‘ (1771-1778) aus prominentem Vorbesitz (10.000,- €). Speziell die Vogelwelt der Niederlande  wird durch die ersten drei Teile der ‚Nederlandsche vogelen‘ von Cornelius Nozeman repräsentiert, hervorragend illustriert von Christian Sepp und Sohn in den Jahren 1770-1797 (20.000,- €).
Wieder ist es gelungen, ein komplettes Exemplar der Kölner Chronik aus dem Jahr 1499 in altem Kolorit für die Auktion zu gewinnen. Die reich illustrierte Inkunabel wird mit einem Schätzpreis von  15.000,- € angeboten.
Eines der schönsten Künstlerbücher des frühen 20. Jahrhunderts ist sicherlich ‚Die träumenden Knaben‘ von O. Kokoschka. Die erste Veröffentlichung des 21jährigen Künstlers in einem Exemplar der ersten Ausgabe von 1908 aus dem Verlag der Wiener Werkstätte ist mit 12.000 € taxiert.
Mit 66 Radierungen von Pablo Picasso in verschiedenen Techniken illustriert erschien 1971 Fernando de Rojas ‚Célestine‘. Die ins Französische übersetzte spanische Tragikomödie aus dem 16. Jahrhundert ist  das letzte von Picasso illustrierte Werk (25.000 €).

Insgesamt werden an den beiden Auktionstagen Bücher, Autographen und Druckgraphik in 1500 Katalognummern angeboten. Vorbesichtigung im Kunsthaus Lempertz ab 14. September 2018.

 
Serie s
Von Oben nach unten:
Rembrandt. Der Arzt Ephraim Bonus / Degas. Les deux danseuses / Munch. Mädchen am Fenster / Kollwitz. Brustbild einer Arbeiterfrau.