Inhalt Katalog 150

Aus einer Privatsammlung werden am 21. September in einer Abendauktion 88 Meisterwerke der Druckgraphik aus fünf Jahrhunderten angeboten.

1470 und 1972 … etwa 500 Jahre liegen zwischen einem kolorierten anonymen Schrotschnitt, der die Beweinung unter dem Kreuz darstellt, und Konrad Klaphecks Radierung  ¸Die Selbstsichere', die in drei verschiedenen Druckzuständen einen Wasserhahn zeigt. Sie bilden den Rahmen einer Sammlung, die feinste und erlesenste Höhepunkte der europäischen Druckgraphik enthält.
Über einen Zeitraum von etwa 25 Jahren (1970 bis 1995) wurden von unserem Sammlerpaar kontinuierlich und beharrlich  mit Kennerschaft und Feingefühl aus allen Epochen exemplarisch die größten Raritäten der Graphik zusammengetragen.
Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf Druckqualität und Seltenheit gelegt. So lassen sich in der Sammlung zahlreiche frühe Probedrucke finden, vielfach mit Unikatcharakter - einige davon mit namentlicher Nennung in den Werkverzeichnissen - und hervorragender Provenienz.

Ein hervorragender Abdruck von Martin Schongauers Kupferstich ‚Die Dornenkrönung‘ (um 1480) ist das früheste namhafte Werk dieser Sammlung (Taxe 15.000 €).
Rembrandts schönes Brustbild seiner Mutter von 1628 zählt zu seinen frühesten und eindrucksvollsten Arbeiten (Taxe 8000 €), während das spätere Bildnis des Ephraim Bonus (Bueno), 1647, seine reife Meisterschaft präsentiert. Dessen prachtvoller Abdruck, einer der wenigen erhaltenen Frühdrucke, besitzt noch den völlig unbeschnittenen Unterrand und befand sich früher unter anderem in der Sammlung des Königs Ferdinand von Portugal (Taxe 60.000 €).
Der Frühdruck von Jacob Ruisdaels Radierung „Die drei Eichen“, die zu seinen prachtvollsten Arbeiten gehört,  ist ein Rarissimum, von dem insgesamt nur fünf Exemplare bekannt sind, darunter das hier angebotene aus der Collection des Duke of Portland.
Nur fünf Abzüge der Aquatinta- und Kaltnadelradierung ‚Les deux danseuses‘ von Edgar Degas (um 1875) führt Delteil in seinem Verzeichnis auf. Die feinkörnige Aquatintatechnik lässt nur wenige Abzüge zu, die alle den Charakter von Monotypien aufweisen. Das angebotene Exemplar aus den Sammlungen Lerolle und David-Weill  ist mit 25.000 € geschätzt.
Höhepunkt jeder Auktion sind graphische Arbeiten von Edvard Munch. Um 1894 entstand seine Kaltnadelradierung ‚Mädchen am Fenster‘. Das von Munch signierte und bezeichnete Exemplar  „2 Tryck“ ist das einzig bekannte Exemplar und vermutlich ein Unikat.  Das Blatt kommt jetzt bei Venator & Hanstein mit einem Schätzpreis von 45.000 € zum Ausruf.
Von Käthe Kollwitz kann unter anderem eine mehrfarbige Lithographie aus dem Jahr 1903 ‚Brustbild einer Arbeiterfrau mit blauem Tuch‘ angeboten werden. Das auf festem Japan gedruckte Exemplar des ersten oder zweiten Druckzustandes ist in dieser Form nur in wenigen Exemplaren überliefert (Taxe 30.000 €).
Ein Unikat stellt Lyonel Feiningers um 1910/11 entstandene Radierung „The workmen“ dar. Im Werkverzeichnis von Prasse ist nur der vorliegende Probedruck, einst im Solomon R. Guggenheim Museum New York befindlich, verzeichnet (Taxe 25.000 €).
Eine der bedeutenden lithographischen Arbeiten aus Max Beckmanns Frühzeit ist seine Darstellung aus dem Hamburger Rotlichtviertel „Ulrikusstraße in Hamburg“ aus dem Jahr 1912. Das mit 50.000 € geschätzte Blatt  liegt hier im ersten von zwei Probedruckzuständen vor, von dem nur ein weiteres Exemplar bekannt ist.
Weitere Meisterwerke der Sammlung stammen z.B. von Albrecht Dürer, Lucas van Leyden, Canaletto, Francisco de Goya, Adolph von Menzel, James Abbott McNeill Whistler, Ernst Ludwig Kirchner oder Karl Schmidt-Rottluff.

 
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