INHALT KATALOG 153

Der Katalog der Auktion 153 am 29. März verzeichnet knapp 600 Lose aus den Bereichen Bücher, Graphik, Handschriften und Autographen vom 15. bis 19. Jahrhundert.

Die bedeutendste hagiographische Sammlung der mittelalterlichen Literatur sind die sog.
‚Vitaspatrum’. Sie reichen in die Frühzeit des Christentums zurück und verarbeiten vor allem griechische Quellen. Es handelt sich um eine Bearbeitung von Legenden zahlreicher frühchristlicher Mönche, die als Eremiten oder Gemeinschaft in der Wüste lebten, und anderen christlichen Männern und Frauen, die als Kirchenväter oder Büßer in den Ruf der Heiligkeit gelangten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Sammlung immer wieder variiert und erweitert. Die Hauptquelle sind die durch den Hl. Hieronymus begründeten ‚Vitaspatrum’, für die jüngeren Legenden wurde u.a. die ‚Legenda aurea’ des Jacobus de Voragine herangezogen. – Bereits in der Benediktinerregel wurden die Vitaspatrum zur Lektüre vorgeschrieben, womit das Werk einen höchst bedeutenden Einfluss auf das mönchische und kulturelle Leben des Mittelalters bis in die Neuzeit bekam.
Ein Glanzstück der Versteigerung am 29. März ist die erste Ausgabe der deutschen ‚Vitaspatrum’, das Leben der heiligen Altväter, gedruckt in Straßburg vom ‚Drucker des Entkrist’ nicht nach 1482. Die äußerst seltene Inkunabel, von der nur wenige komplette Exemplare in öffentlichem Besitz verzeichnet sind, enthält 149 Holzschnitte in altem Kolorit und  stammt aus dem Vorbesitz der Fürsten von Liechtenstein. Für das Los werden € 40.000 erwartet.

Beginnend mit Buffons seit 1749 erscheinender monumentaler ‚Histoire naturelle’ beobachten wir in Frankreich ein verstärktes Interesse an Fragen der Naturgeschichte und speziell der Evolutionstheorie. Maßgeblich an der Förderung der naturgeschichtlichen Forschung beteiligt war das 1793 gegründete Pariser ‚Muséum national d’histoire naturelle‘. Im Umkreis dieses Instituts mit seiner angegliederten Ménagerie entstand im Jahr 1799 die erste umfassende illustrierte Monographie über die Affen. Autor der Histoire naturelle des singes et des makis war der talentierte Maler und Naturforscher Jean-Baptiste Audebert (1759-1800). Wohl in England lernte Audebert das neu entwickelte Verfahren des Farbstiches von einer Platte kennen. Dieses verwendete er als erster in Frankreich für sein luxuriös ausgestattetes Werk über die Affen, in welchem er zugleich als Textautor, Zeichner und Stecher auftritt. Die bisher beim Farbstich üblichen Aquarellfarben ersetzte Audebert in einem von ihm neu entwickelten Verfahren durch Ölfarben und kam so zu einer bis dahin unerreichten Farbwirkung. Das einzigartige Werk bietet Venator & Hanstein mit einem Schätzpreis von € 10.000 an.

„Das bedeutendste ichthyologische Werk des Jahrhunderts” (Nissen) kann mit einem vollständigen Exemplar von Marcus Elieser Blochs ‘Allgemeiner Naturgeschichte der Fische’ in der in sechs Teilen erschienenen zweiten französischsprachigen Ausgabe angeboten werden. Die in Berlin 1795 erschienene, hier in 3 Bänden gebundene Ichthyologie, ou histoire naturelle générale et particulière des poissons  aus dem Vorbesitz Earl Canning sowie dem 6th Earl of Harewood ist mit € 20.000 taxiert.

Unter den weiteren herausragenden Objekten dieser Auktionen befindet sich das philosophische Spätwerk Ciceros De officiis in einer italienischen Humanistenhandschrift des 15. Jahrhunderts (€ 18.000).
Hervorragende Stücke in den Alten Drucken sind die bei Amerbach in Basel 1490 erschienenen, zusammengebundenen  Hauptwerke des Aurelius Augustinus De civitate dei und De trinitate (€ 6000) oder die Moralia von Papst Gregor I., Venedig 1480 (€ 6000). Mit dem gleichen Schätzpreis versehen ist ein komplettes Exemplar von Sebastian Münsters Cosmographey in der Baseler Ausgabe von 1598.
Mit dem Novus Atlas Sinensis des Jesuiten Martino Martini, der lange Zeit in China gelebt hatte, erschien 1655 in Amsterdam bei Joan Blaeu der erste in Europa gedruckte Atlas von China. Für die erste deutsche Ausgabe von 1656 werden € 15.000 erwartet.

Die Graphik vom 16. bis 19. Jahrhundert bringt mit den Caprichos das graphische Hauptwerk des Francisco de Goya in der äußerst seltenen 2. Ausgabe, gedruckt in Madrid um 1855. Das gute, saubere Exemplar mit allen 80 Aquatintaradierungen  im originalen Einband ist mit € 25.000 taxiert.

Für Albrecht Dürers Holzschnitt Die Messe des Heiligen Gregor aus dem Jahr 1511 in einem schönen, kontrastreichen Abdruck werden € 4500 erwartet, in dieser Höhe  ist auch sein Kupferstich von 1514  Die Jungfrau mit Haarband und Strahlenkranz auf der Mondsichel bewertet.  Dürers Holzschnitt Die Herodias empfängt das Haupt des Johannes aus dem Jahr 1511 wird mit einem Schätzpreis von € 4000 angeboten.
Die komplette Folge von 18 Blatt Radierungen Les grandes Misères de la Guerre des  Jacques Callot von 1633, welche eindrucksvoll die Leiden und Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges vor Augen führen, ist mit € 3000 taxiert. Callots Zeitgenosse Rembrandt ist mit seiner 1635 datierten Radierung Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel (€ 3000) und mit der Radierung von 1646 Bettlerin auf einen Stock gestützt (€ 2400) vertreten.

Aus einer Privatsammlung stammen die 7 kompletten Folgen mit Kupferstichen nach Marten van Heemskerck, die mit Taxen von € 900 bis € 2000 angeboten werden. Darunter stechen die Folge der sieben Planeten, Septem Planetarum Signa et Operationes (€ 2000), mit Darstellungen u.a. der Luna mit Fischfangszenen, Mars in der Schlacht und Venus mit Liebesgarten und Bankett sowie die Folge des Triumphes der Geduld, Patientiae Triumphus (€ 1500), hervor. Die letztgenannte Folge zeigt Isaac, Joseph, David, Hiob, Tobias, Stephanus und Christus auf Wagen, Kamel, Ochsen, Löwen, Schildkröte, Esel und Elefant.

Eine der schönsten römischen Ansichten von G. B. Piranesi kann neben einigen weiteren mit seiner Veduta di Piazza Navona angeboten werden (€ 2500). Ins 19. Jahrhundert führt uns eine Ansicht aus Leiden in Aquarell und Gouache von Louis Bleuler, die mit einem Schätzpreis von € 3000 versehen ist.

 
Altvaeter 3 si

Leben der heiligen Altväter. - Straßburg, nicht nach 1482