INHALT KATALOG 154

Die Auktion „Moderne und zeitgenössische Graphik  - Moderne Bücher“ spannt in über 740 Katalognummern wieder einen weiten Bogen von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst, vertreten unter anderem durch Werke von Max Beckmann, Erich Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner, Georges Braque, Joan Miró und Willi Baumeister sowie von Joseph Beuys, Wolf Vostell, Josef Albers, Salvador Dalí, Max Ernst bis zu Antoni Tàpies, Jörg Immendorff, Konrad Klapheck, Günther Uecker, Luc Tuymans, Sigmar Polke und Gerhard Richter.

Höhepunkte der Auktion stellen unter anderem zwei Collagen Schief und Schräg 4 und Gartenbild 4 (jeweils € 10.000) mit Acryl auf Kunststoff-Folie von Imi Knoebel dar. Für die Rechenzeichen von Herbert Zangs, zwei Mitte der 1970er Jahre entstandene Acrylarbeiten auf Wellpappe, werden € 5000 und € 6000 erwartet.

Neben einigen Graphiken von Max Beckmann kommt eine kleine Aktstudie des Künstlers, eine auf das Jahr 1908 datierte Vorzeichnung, zum Aufruf (€ 4000). Von Adolf Hölzel wird mit der Figurengruppe in Landschaft (€ 3600) eine um 1925 entstandene Farbkreidezeichnung angeboten. Für Ernst-Ludwig Kirchners Kaltnadelradierung Kopf eines jungen Mannes (Dr. Hans Bütow), ebenfalls aus dem Jahr 1925, werden € 2000 erwartet.
Georges Braque ist gleich mit 9 Druckgraphiken in verschiedenen Techniken (von € 450 bis € 1500) vertreten, Willi Baumeister mit der Farbserigraphie Mo von 1955 (€ 2000).  
Das Malerbuch An Martha (€ 4000) vom 6. Oktober 1965 mit Zeichnungen und Text von Horst Antes enthält insgesamt 10 Aquarelle des Künstlers. Von Alfred Kubin wird eine Bleistiftzeichnung mit dem Titel Der Urhirsch angeboten (€ 2000).
Von den graphischen und zeichnerischen Werken setzt sich Georg Meistermanns Glasfenster ab. Das 60 x 57,5 cm große und in Buntglas und Blei ausgeführte Fenster ist mit € 2500 taxiert.

Unter dem Mappenwerken sticht The Hippies von Salvador Dalí hervor (€ 9000). Die 1969/70 entstandene Leinenmappe enthält 11 Blatt teils aquarellierte und gold- und silbergehöhte (Farb-)Kaltnadelradierungen. Neben weiteren Radierungen und Lithographien Dalís wird auch ein Exemplar seiner bekannten, kolorierten Radierung Portrait de Marguerite (Gretchen) aus „Faust“ angeboten (€ 3000).
Die beiden nur in kleiner Auflage von je 20 Exemplaren erschienenen Mappenwerke Fünf Jahre Lithographisches Atelier Leipzig aus dem Jahr 2009 (€12.000) und X (Zehn Jahre Lithographisches Atelier Leipzig) von 2014 (€ 12.000) enthalten je 7 Originalgraphiken verschiedener Künstler, dabei jeweils eine Lithographie von Neo Rauch.

Von Horst Janssen kann eine umfangreiche Sammlung mit zahlreichen Zeichnungen, Collagen und Künstlerbriefen angeboten werden (von € 400 bis € 2000). Neben Porträts, kleinen Landschaften, Blumen- und Aktskizzen, Darstellungen von Katzen, Hasen, einer Muschel oder einem Lippenstift, bereichern Zeichnungen und Collagen mit eigenhändigem Text, eine Zeichenunterlage Janssens sowie Sammlungen von kurzen Notizen und kleinen „Zettel-Grüßen“ das Angebot.

Von Joseph Beuys kommt ebenfalls ein größerer Bestand zum Aufruf, darunter der Phosphor-Kreuzschlitten (€ 3000) und Guten Einkauf, eine Papp-Kassette mit Packung ATA-Putz- und Scheuermittel,  einer Einkaufstüte und einem Magazin (€ 1500).
Die Bewegung des Fluxus ist unter anderem durch Werke von Wolf Vostell vertreten, darunter seine Bronze- und Beton-Multiples Ruhender Verkehr (jeweils € 1500), das Luftpumpenmuseum (€ 1500) sowie die Endogene Depression (€ 1200), für dieses Multiple hat Vostell ein Kohlebrikett neben einer einbetonierten Cola-Dose mit Transistorradio platziert.

Objekte aus ungewöhnlichen Materialkombinationen stellen auch C.O. Paeffgens mit Eisendraht umwickelter Knirps mit angehängter Fotografie (€ 900) oder seine im Jahr 1977 entstandene Arbeit mit Spielzeugflugzeug, Zahnbürste, Kunststoffmaus, einem Fläschchen 4711, montiert zwischen Metall und Holz dar (€ 1000).
Einen Kontrast hierzu bilden die Glasspiegel-Verformungen (von € 400 bis € 1500) Victor Bonatos, ebenso wie sein Bronzekegel Ohne Titel (Platonischer Garten Soest) (€ 1500), eine Kleinplastik zu der 1984 am Landesinstitut für Lehrerfortbildung und Curriculumforschung in Soest errichteten Großinstallation.

Weitere Höhepunkte des Angebotes finden sich unter den Zero-Künstlern. Günther Uecker hat für das Kunstwerk Kölnisch -> Klause <-> (Phobien) von 1983 das Buch zur gleichnamigen Ausstellung (vom 31.5.-31.8.83 in den Räumen der Zeitschrift "Symbol") mit einem großem Nagel durchstoßen und auf der Papierbanderole in weißer Ölfarbe signiert und datiert (€ 7000). Mit einer Taxe von € 1500 kommt ebenfalls ein 34 Blatt umfassendes Manuskript, ein Entwurf zu dem Buch, zum Aufruf. Daneben können einige Prägedrucke und Lithographien, sowie zwei Aquarelle Ueckers mit dem Titel Wüstenblühen (jeweils € 4000), beide aus dem Jahr 1987, angeboten werden.

Unter den Prägungen und Farbserigraphien von Heinz Mack stechen der Regenbogen von 1989 (€ 2500) und Das blaue Kreuz von 1996 (€ 2000) hervor. Bernard Aubertin ist mit drei Werken mit angebrannten Streichhölzern und Ruß auf Holz vertreten (€ 1500 bis € 2000).

Von K.O. Götz wird die Gouache Zungensprünge von 1992 angeboten (€ 2500), von Richard Tuttle zwei ebenfalls 1992 entstandene Aquarelle über Bleistift (jeweils € 2000) sowie von Albert Oehlen eine zwei Jahre zuvor entstandene Gouache über Serigraphie (€ 3000).

Schließlich werden von Gerhard Richter mehrere Graphiken, darunter zwei Exemplare aus den Schweizer Alpen (€ 9000 und € 5500) und das Schattenbild I und Schattenbild II (jeweils € 1500) aufgerufen. Auch Sigmar Polke ist mit zahlreichen graphischen Werken vertreten, darunter ein 1983 entstandener vierfarbiger Offsetdruck nach einer Gouache (€ 3500).

In der Abteilung der Modernen Bücher bildet Georges Rouaults Miserere (€ 10.000) von 1948 einen Höhepunkt. Es beinhaltet 58 Radierungen in Aquatinta und Zucker-Aquatinta über Heliogravüren von Tuschezeichnungen, überarbeitet u.a. mit Kaltnadel, Roulette und Polierstahl. Die Vorlagen Rouaults, die überwiegend zwischen 1914 und 1918 als Tuschpinselzeichnungen entstanden, wurden photomechanisch auf Kupferplatten übertragen und vom Künstler in einem komplizierten Schaffensprozess mit verschiedenen Werkzeugen und Materialien überarbeitet. Die vorliegende Ausgabe wurde 1948 von der Verlagsgesellschaft L'Étoile Filante veröffentlicht, nachdem Rouault ein Jahr zuvor die bereits 1922-27 hergestellten Abzüge aus dem Nachlass Vollards retten konnte.

Der Düsseldorfer „Aktivistenbund“ ist mit seiner zweiten Publikation aus dem Jahr 1919 Das Buch Zwei des Aktivistenbundes vertreten (€ 3500). Für die in 33. Exemplaren erschienene Vorzugsausgabe mit Suite von Max Ernsts lithographierten Illustrationen zu Lewis Carrolls The Hunting oft he Snark werden € 6000 erwartet.
Der Architekt, Maler und Zeichner Le Corbusier bietet in seinem 1955 erschienenen lithographierten Werk Le Poème de l'angle droit eigene handschriftliche Texte durchsetzt mit Illustrationen und ganzseitigen Tafeln; gebunden ist das Ganze in einen vielfarbigen Maroquin-Einband des englischen Buchbinders Arthur W. Johnson (€ 6000).
Drei von Wols mit Kaltnadelradierungen illustrierte Werke beschließen die Versteigerung, davon zwei mit Texten von Kafka und Sartre (je € 1000). Das dritte mit drei kurzen Erzählungen von Jean Paulhan unter dem Titel Le Berger d’Ecosse (1948) ist mit 5 Kaltnadelradierungen und einer zusätzlichen Suite der Radierungen auf Japan ausgestattet, hier in einem von  5 Exemplaren außerhalb des Handels (€ 5000).

 
Knoebel 2 s

Imi Knoebel. Schief und schräg 4. 2010/2016.