Inhalt Katalog 155

Das Angebot an Büchern, Handschriften und Graphik der Auktion 155 umfasst knapp 600 Katalognummern und bietet einige hervorragenden Seltenheiten.

Die Abteilungen der Bücher und Handschriften umfassen etwa 300 Lose:

Eine lateinische Handschrift auf Pergament mit 319 Blättern aus dem Jahr 1420 enthält ein Messbuch für die Pfarrkirche St. Severinus in Erpel. Bis in die Vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts befand sich der Band im Besitz der zum Erzbistum Köln gehörenden Pfarrgemeinde und ist auch in dem entsprechenden Band der Kunstdenkmäler der Rheinprovinz beschrieben. Hervorzuheben ist ein darin enthaltenes ganzseitiges Kanonbild mit einer dreifigurigen Kreuzigungsszene (Schätzpreis 20.000 €).
 
Für Kenner und Freunde der Sinologie gibt es einige erwähnenswerte Objekte:
Die deutsche Ausgabe des ersten, in Europa gedruckten China-Atlasses von Blaeu, den „Atlas Sinensis“ aus dem Jahr 1656 mit 17 Kupferkarten, die auf kartographischen Erkenntnissen des Jesuiten Martino Martini beruhen (12.000 €) und A. Kirchers „Tooneel van China“ aus dem Jahr 1668 (2500 €).  Die umfangreichste Beschreibung von Volk, Literatur, Wissenschaft und Kunst Chinas im 18. Jahrhundert bietet Du Halde’s „Description … de l’Empire de Chine“  bebildert mit zahlreichen Kupferstichen (10.000 €). Aus dem 20. Jahrhundert stammt das mit Abbildungen nach Fotos reich illustrierte Werk von A.C. White „Peking the Beautiful“ (1000 €).

Pierre d’Avitys  „Vermehrte Archontologia Cosmica“, wohl kurz nach 1700 gedruckt, liegt komplett mit 129 Kupfern von M. Merian in der letzten und umfassendsten Ausgabe vor (10.000 € ).

Um 1719 entstanden ist ein deutsches Manuskript mit 11 aquarellierten Zeichnungen der osmanischen Belagerung der Festung Korfu im Jahr 1716. Im Bild dargestellt ist auch die Marmorstatue des Feldherrn Matthias Johann von Schulenburg, der sich im Dienste der Venezianer um die Verteidigung der Insel verdient gemacht hat und dort mit einem Denkmal im Mai 1718 geehrt wurde. Der hier dargestellte Sieg über die Türken dokumentiert zeitnah ein welthistorisch und militärisch bedeutendes Ereignis aus der Sicht eines Augenzeugen. Der aus adligem Vorbesitz stammende Band war schon 1977 bei Venator versteigert worden (6000 € ).

Für die Geschichte Mexikos von besonderer Bedeutung ist die erste Ausgabe der „Historia de Nueva-España“ des Erzbischofs Francisco Antonio Lorenzana (1770), die, begleitet von zahlreichen Kupfern, über die Eroberungen des spanischen Konquistadoren Hernán Cortés berichtet (4000 €).
 
The Ferns of Great Britain and Ireland“ von Thomas Moore, erschienen 1857, ist eines der wenigen Werke, das mit Naturselbstdrucken illustriert wurde. Auf großformatigen Tafeln sind in dem aufwendigen Druckverfahren die Farne in verschiedenen Entwicklungszuständen dokumentiert (4500  €).

Ein Klavierauszug des Festspieles „Lalla Rûkh“, komponiert von Gaspare Spontini und uraufgeführt 1821 im Königlichen Schloss in Berlin mit Darstellern des nahezu gesamten Hofstaates, wird in einem verzierten Maroquinband angeboten. Der Einband stammt wohl von dem Königlichen Buchbinder Carl Jacob Ludwig Lehmann. Im  Innendeckel des Bandes ist ein meisterliches Ölgemälde mit einer Ansicht der Schneekoppe angebracht (2000 €).
 
Die zweite erweiterte Ausgabe der „Kinder- und Haus-Märchen“ (1819-22) der Brüder Grimm gilt als Beginn der wissenschaftlichen Märchenforschung durch den hier erstmals erschienenen dritten Band mit den Anmerkungen und Literaturangaben. Als Frontispiz enthält diese Ausgabe auch das berühmte Porträt der Märchenerzählerin Dorothea Viehmann, die maßgeblich zur Sammlung beitrug (7500  €).
An wichtigen Erstausgaben der Abteilung Literatur und Philosophie vom 17.- 19. Jahrhundert werden ausgerufen: Immanuel Kants berühmte „Critik der reinen Vernunft“ von 1781  (7500 €);  „Die Welt als Wille und Vorstellung“, das Hauptwerk Arthur Schopenhauers von 1819 (6000 €);  Hegels „Wissenschaft der Logik“, erschienen 1812-1816 (1800 €) und die „Erzählungen“ von Heinrich von Kleist (1810-11) mit dem seltenen zweiten Band, der nur wenige Monate vor seinem Tod erschien (3000 €).

Alle Veröffentlichungen der Münchener Rupprecht-Presse (1917-34) in 58 Bänden werden in einer Katalognummer angeboten (6000  €). Die Sammlung stammt aus dem Umkreis von F. H. Ehmcke, der die Bezugs- und Vorsatzpapiere für alle Bände entworfen hat. Ehmcke gründete die Presse in den Räumen der Münchner Kunstgewerbeschule und benannte sie nach dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern. Die Auflage der Bände lag meist bei 150 Exemplaren.
Max Klinger ist mit einer Folge von 46 Radierungen „Zelt“ zu Versen von Herbert Eulenberg vertreten (3600  €). Das in 120 nummerierten Exemplaren erschienene Werk ist meisterlich in blaues Saffianleder gebunden. Eine umfangreiche Reihe der Zeitschrift „Kunst und Künstler‘ in 21 Bänden (1902-33) und mit Originalgraphik von Künstlern der Zeit ist mit 1500 € taxiert.


Die Graphik vom 15. bis zum 19. Jarhundert ist in der Auktion 155 mit 270 Katalognummern vertreten:
 
Höhepunkte der Altmeistergraphik stellen der Holzschnitt „Die apokalyptischen Reiter“ (22.000 €) aus der Apokalypse von Albrecht Dürer in einem seltenen, um 1498 entstandenen Frühdruck vor dem Text, sowie der Kupferstich „Wilhelm V., genannt Wilhelm der Reiche, Herzog von Jülich-Kleve-Berg und Graf von Mark und Ravensberg“ (5000 €) von Heinrich Aldegrever aus dem Jahr 1540 dar.

Neben weiteren Graphiken von Albrecht Dürer, wie dem Kupferstich „Sol Iustitiae (Sonne der Gerechtigkeit)“ (3000 €) kommen zahlreiche Radierungen Rembrandts zum Aufruf, darunter der kleinformatige „Profilkopf eines Mannes in hoher Mütze“ (2000 €). Für Hendrik Goudts ausgezeichneten Druck „Die Wanderung des Tobias (Der sog. Große Tobias)“ nach dem Gemälde von Adam Elsheimer in der National Gallery London werden 1500 € erwartet und für den Kupferstich „Bewaffneter Viermaster in See stechend“ von Frans Huys nach Pieter Bruegel d. Ä., in hervorragendem Abdruck mit breiten Rändern, sind 2500 € angesetzt.
In über 25 Losnummern kommt eine kleine Kollektion Monogrammisten, überwiegend des 16. Jahrhunderts, zum Aufruf.

Die komplette, 18 Radierungen umfassende Folge „Les Miseres et le Mal-heurs de la Guerre“ von Jacques Callot wird mit einer Taxe von 2400 € angeboten. Die ebenfalls vollständige Folge der dem Bologneser Ratsherrn Beccadelli gewidmeten, mit lebhafter Strichführung gezeichneten Radierungen „Prospettive dedicate all' illustriss. sig. e. padron colendissimo, il sig. Cesare Giuseppe Beccadelli“ (2700 €) von Francesco Vaccari zeigt in ausgezeichneten Drucken Architekturen, Lustgärten mit Brunnen und antike Ruinenkulissen.

Von Giovanni Battista Piranesi können unter anderem der von 6 Platten zusammengesetzte, radierte Plan der Hadriansvilla bei Tivoli „Pianta delle Fabriche esistenti nella Villa Adriana“ (3000 €) aus dem Jahr 1781 sowie die Ansicht des Wasserfalls von Tivoli „Veduta della Cascata di Tivoli“ (1800 €) in prachtvollem Druck angeboten werden.

Unter den Druckgraphiken der Künstler des 19. Jahrhunderts treten Auguste Renoirs Farblithographie „Le Chapeau Épinglé, 2e planche“ (18.000 €) und Max Klingers eigenhändig signierte und datierte Aquatintaradierung „Philosoph“ (2000 €) im 4. Druck des 4. Zustandes hervor. Von Henri de Toulouse-Lautrecs Farblithographie „Bartet et Mounet-Sully, dans Antigone“ (4000 €) aus dem Jahr 1893 liegt uns eines von nur wenigen Exemplaren mit dem Rotstempel des Künstlers innerhalb der Auflage von 50 Exemplaren vor.

 
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Katalog 155