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Meyern, W. F. v., Dya-Na-Sore. 5 Bde. Lpz. 1800. Meyern, W. F. v., Dya-Na-Sore. 5 Bde. Lpz. 1800.
Los 173
Kategorie Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts
Autor Meyern, Wilhelm Friedrich v.
(Meyern, Wilhelm Friedrich v.): Dya-Na-Sore oder die Wanderer. Neue Auflage. 5 Bde. Leipzig: Schaumburg und Comp. 1800. 16 x 9,4 cm. Mit gest. Frontispiz, 5 gest. Titeln m. Vignetten sowie 5 Textvignetten. Etwas späteres HLdr. m. Rt., Rv.

(Unbedeutende Altersspuren).

Goed. V, 460, 1. Rümann 214. Lanck./Oehler III 17. Wolfstieg 41514. - Maßgebliche Ausgabe des bedeutenden utopischen Romans, gegenüber der Ausgabe von 1787 wesentlich erweitert. Sein Verfasser heißt schlicht Meyer (1759-1829), ein Kanonier aus Ansbach, der sich im Laufe eines bewegten Lebens zu einem ‚von Meyern' hinaufadelte. Von Schiller rezensiert, von Goethe gelesen und wohl von Nietzsche gedanklich ausgebeutet bietet Meyern als erster in unserer neueren Literatur die unheilschwangere Phantasmagorie eines spartanischen Heldenstaates, die in Sprachbildern von düsterer Schönheit noch heute ihren Zauber nicht verloren haben. Es „... findet sich hier viel Tiefes und Originelles, von einzigartigem, starkem Denkvermögen zeugend. Danach ist die Vergessenheit, in welche M. gesunken ist, als bitteres Unrecht zu beklagen. Seine Sprache ist ungemein kräftig, schwungvoll, ja fast dithyrambisch, reich an neuen, frischen Wortbildungen und Zusammensetzungen, kühnen Bildern und Wendungen, dabei knapp, präcis und in hohem Grade eindrucksvoll" (Schönbach in der ADB). „Liest man, was Arno Schmidt in seinem Radio-Essay und Wolfgang Harich in seinem Jean-Paul-Buch über ‚Dya-Na-Sore' zu sagen haben, will man nicht glauben, daß beide vom selben Gegenstand handeln. Meyerns politisches Ideal ist für Schmidt ‚das niedrigste, was es überhaupt geben kann: das Kriegerische!', für Harich aber ist es das höchste: das demokratischer Revolution ... Daß mit dem l. Band von ‚Dya-Na-Sore' der Anfang eines politisch-brisanten Romans vorlag, wußten weder Schiller noch Schink, die ihn rezensierten ... Bedenkt man, wann und wo dieser Roman geschrieben wurde, so ist das erstaunlich mutig und erklärt den Erfolg, den er trotz seiner künstlerischen Schwächen hatte. Doch vergeht einem die Freude an dieser demokratischen Literaturtradition, wenn man sieht, wie stark hier schon vorgebildet ist, was später einmal, 1933, ‚Nationale Revolution' genannt werden wird: Vergottung des Staates, Elite-Denken, Nationalhaß, Militarismus und Verherrlichung des Krieges - alles das also, was Arno Schmidt dazu veranlaßte, den Roman für Wehrkreisbüchereien zu empfehlen" (aus G. de Bruyns Nachwort‚ Taten und Tugenden. M. und sein deutsches Revolutionsmodell' zur Neuausgabe von 1979, S. 951 ff.).
Schätzpreis € 750